Das Frühlingsteleskoptreffen 2003 - ein Rückblick
Freitag, 2. Mai 2003
Am Nachmittag des 2. Mai frage ich einen Berner Astrokollegen an, ob ich bei ihm ans diesjährige
Frühlingsteleskoptreffen auf die Ahornalp mitfahren könnte. Wir besprechen dabei natürlich auch die
Wetterlage und sind uns schnell einig: Heute Freitagabend wird wohl keine Beobachtung möglich sein und den
Auftakt des zweitägigen Anlasses würde daher ein gemütlichen Beisammensein im bekannten Restaurant bilden.
 |
"Auch nicht dermassen schlimm" denken wir uns, kann man da doch gut essen und zu plaudern gibt’s immer
allerhand. Wir vereinbaren also einen Zeitpunkt für die Hinreise und der Arbeitsnachmittag nimmt seinen Lauf.
Entgegen der Wetterprognose zeigen sich am Himmel aber vermehrt blaue Löcher in der grauen Wolkendecke. Es
hört zu regnen auf und die Sonne guckt durch die Wolkenlöcher. Doch noch beobachten? Zuhause lege ich mein
Teleskop und etwas warme Bekleidung bereit. Thomas trifft kurze Zeit später ein und die Fahrt aufs Ahorn vergeht
im Fluge; der nun fast vollständig blaue Himmel lässt Raum für Hoffnung. Auf dem Beobachtungsgelände
treffen wir auf einige bekannte Gesichter. Man schaut mit ein paar kurzerhand aufgestellten Fernrohren die Sonne und
rätselt über die Richtung, in welcher sich die vom Unterland aus unsichtbare, jetzt im Nordwesten liegende
Wolkenbank weiterbewegen wird. Schnell ist klar, dass der Wetterfrosch letztendlich Recht behalten wird, denn die Sonne
verschwindet Minuten später hinter dem Horizont der sich nähernden Wolkenbank. Das Restaurant kommt uns da
gerade gelegen. |
 |
|
|
Wir erhalten den kleinen Saal zugewiesen, wo wir ungestört essen und unser Garn spinnen können. Ein
Donnergrollen und erste Blitze zeugen von einem nahenden Unwetter. Zuerst ist es nur einer, dann wagen sich alle nach
draussen und man beginnt damit, seine - heutzutage in Mode gekommene - Digitalkamera am Wettergeschehen zu testen. Die
eine oder andere Aufnahme entsteht und auf den kleinen Monitoren kann man die dramatische Stimmung des Gewitters
mit seinen durch Blitze erhellten Wolken betrachten, festgehalten in Bits und Bytes. Selber begeisterter
Digitalfotographe ärgere ich mich über meine Unterlassungssünde; mein Pixelsammler schlummert zuhause
im Schrank und ahnt nichts von alledem. |
 |
So, wie das Gewitter aufgekommen ist, zieht es ab, hinterlässt aber Regenschauer und die ergiessen sich
kleinen Sturmbächen gleich von da, wo wir eigentlich lieber unsere Sterne sehen würden. Nach einem Dessert
beschliessen wir den trotzdem schönen Abend und freuen uns auf morgen. Die Wetterprognosen versprechen uns
einen klaren Tag und sagen vorher, dass sich allfällige Restbewölkung im Tageslauf auflösen werde.
Samstag, 3. Mai 2003
Wolken schwimmen wie Wattebäusche in einem blauen Himmel. Langsam lösen sie sich auf und der Nachmittag
bricht fast wolkenlos an. Um die Aufregung und die Vorfreude im Zaum zu halten, mache ich vom heimischen
Balkon aus einige Aufnahmen der Sonne. Eine grosse Fleckengruppe gibt gutes Futter für die Webcam ab. Um
etwa 18 Uhr holt mich Heinz ab; es geht wieder Richtung Ahorn.
 |
Gegen 50 Astroamateure haben den Weg auf's Ahorn gefunden, fast alle Regionen der Deutschscheiz sind
vertreten. Neben vielen Amateuren vom Emmental und dem Oberaargau sind diese angereist von Bern bis
ins Bündnerland, von Basel nach Luzern und auch die fast vollständige, ehemalige Crew des
legendären astro saphiens aus dem Raum Zürich ist anwesend.
Einige Unruhe lassen ebenfalls auf dem Gelände anwesende Funkamateure aufkommen, die sich tapfer daran versuchen,
die Gehirne der nachtsichtgewohnten Amateure zum kochen und dampfen zu bringen. Die Unruhe legt sich aber im
Laufe des Abends wieder, keiner der Amateure beginnt selber zu strahlen ;-). |
|

 |
Ausgiebige Diskussionen und wiederum Sonnenbeobachtungen lassen den späten Nachmittag schnell
verstreichen. Die untergehende Sonne lässt einem aber wieder an ein sich allmählich bildendes
Loch in der Magengegend erinnern, dass bei einigen Vergleiche mit einem kleinen Black hole
aufkommen lässt. Nach dem Nachtessen, welches aufgrund des unerwartet grossen
Besucheransturms etwas mehr Zeit beansprucht, beginnt trotz der leider aufgezogenen Zirruswolken
die Beobachtungsnacht. Heuer können einige gute Dobsonians, beispielsweise von Obsession oder aus
der Werkstatt der bekannten Ninja’s bestaunt und auch probegesehen werden. Daneben sind Eigenbauten
wie das sog. Riesenrohr der Astronomischen Jugendgruppe Bern (AJB) mit einer Öffnung von 45 Zentimetern
oder das Gitterrohrungetüm von Stefan mit sagenhaften 20 Zoll auf dem Gelände anzutreffen. |

 |
 |
Die Refraktorfraktion hält mit Leckerbissen von Takahashi oder Geräten von Borg, Vixen, SkyWatcher
dagegen. Auch GPS gestützte High-Tech Maschinen wie ein NexStar 11 GPS von Celestron trifft man und
kann - als wäre es die grösste Selbstverständlichkeit der Welt - einen Blick durch das eine oder
andere Gerät werfen. Jeder Besucher erhält so einen Überblick der aktuellen Teleskoptechnik und kann
sich seine Meinung im ungezwungenen Umfeld bilden. In Sachen Ausrüstung bildet für mich die heute
erstmals gezeigte AYOdigi von AOK den Höhepunkt. Ich erhalte Gelegenheit, die kleine und feine
Montierung selber zu benützen und nachdem ich einige Objekte ohne Mühe mit der Computerunterstützung
gefunden habe wird für mich klar: "Das Ding muss ich haben!". Nur - wie bring ich’s
meinem Geldbeutel bei? Die nächsten Tage werden mir hoffentlich weiterhelfen. |

 |
Leider trüben die Zirruswolken den Beobachtungspass vorerst und so beschliesst eine Amateurgruppe
aus der näheren Umgebung, den Heimweg anzutreten. Der danach nur langsam verklingende Unwillen der
in ihrer Beobachtung Gestörten wird deutlich hörbar, als sie unerwartet ihre Ausrüstung im Scheinwerferlicht
der Autos zur Seite räumen müssen, damit die Heimkehrer freie Durchfahrt erhalten. Die weiter Ausharrenden
werden einige Zeit später belohnt. Von Südosten her klart es zuerst langsam auf und ab etwa. 02:30h - wir haben
selber ebenfalls beinahe schon unsere ganze Ausrüstung verstaut - locken die Sterne der Sommermilchstrasse. Der
Himmel ist nun sehr klar geworden und endlich so dunkel, wie man es sich eigentlich wünscht. Beat, bisher scheinbar
nur Zaungast ohne eigenes Teleskop, greift dann nach kurzem Hin und Her entschlossen zu seinen 16-Zöller
und stellt ihn in Windeseile auf und nun beginnt für das verbliebene Grüppchen der letzen etwa 10
Nachtschwärmer ein fast schon stressiger Ausflug mit dem obligaten "Schlangestehen" durch die
schönsten DeepSky Objekte, welche zu so später Stunde im Zenit und Richtung
Südhimmel anzutreffen sind. Der kommende Sommer lässt deutlich sichtbar grüssen.
Gegen vier Uhr beschliessen aber auch wir die Heimkehr; der Tag wird in Kürze anbrechen und die
Müdigkeit macht sich bemerkbar. Als mich Heinz zu Hause absetzt, singen die Vögel ihre ersten Lieder
in den blauen Morgenhimmel und ich komme nicht umhin zu bemerken, dass ich schon am Abend erwartet habe,
es werde so enden, dies mich aber um Mitternacht nicht mehr getraut hätte zu erwähnen. Wieder einmal bleibt
mir an dieser Stelle nur, allen zu danken, die den Anlass zu einem solchermassen schönen Erlebnis haben
werden lassen. Besonderen Dank schulde ich meinen Astronomiekollegen Heinz und Thomas für die immer
unkompliziert angebotenen Mitfahrgelegenheiten, ohne die ich das Hobby Astronomie in dieser schönen Form
wohl schwerlich würde betreiben können.
Ein weiterer Bericht von
Heinz Beister