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Die 3. Starparty
6.-8. September 1991 auf dem Hohberg in den Fribourger Alpen
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Freitag |

Wegweiserschild aus dem Jahre 91
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Ausgerechnet jetzt, am Wochenende der Starparty sollte das Wetter
plötzlich schlecht werden! Diese Hiobsbotschaft vernahm ich am Freitagmorgen früh
während der Arbeit aus dem Radio. Wochenlang waren wir nun durch schönstes
Sommerwetter verwöhnt worden und nun wagten es die Wetterfrösche Regen und
Kälte anzukündigen! Tatsächlich erspähte mein sorgenvoller Blick am
Nachmittag immer mehr Wolken. Sollte diese Starparty auch, wie ihre beiden Vorgänger
am Pragelpaß, vom Wetterpech verfolgt sein?
Als ich von der Arbeit nach Hause fuhr, war bereits der ganze Himmel über
Schaffhausen von einer Wolkenschicht bedeckt. Den Wetterpropheten vertrauend, wollte ich nun
eigentlich nur den kleinen 8cm Refraktor mitnehmen. Doch meiner optimistischeren
Lebensgefährtin gelang es, mich dazu umzustimmen, trotzdem das 25cm Schmidt-Cassegrain
mitzunehmen.
Also wurde das Teleskop mit Zubehör nebst Schlafsack und warmer Kleidung im Auto
verstaut. Rund zwei Stunden später, auf der Autobahn bei Bern, bereute ich diesen
Entschluß keineswegs, denn es war keine einzige Wolke mehr zu sehen!
Ausfahrt Düdingen verließen wir die Autobahn und fuhren via Plaffeien und
Zollhaus bis Sangernboden. Von hier aus wiesen wahre Kunstwerke von Starparty-Wegweisern den
Weg zum Chalet du Hohberg. Die Zufahrt zum Chalet ist problemlos, nur die letzten 300 Meter
bestehen aus Naturstraße. Da es bereits dunkel war, als wir ankamen, wurden wir von
Peter Stüssi mit einer Taschenlampe eingewiesen. Im Chalet begrüßten uns
sieben weitere Sternfreunde. Bis zum Nachtessen reichte es für uns gerade noch, kurz das
Gebäude zu besichtigen.
Das Chalet liegt auf 1490 m.ü.M. und bietet Unterkunft für 50 Gäste in
Massenlagern, die in verschiedene Zimmer aufgeteilt sind. Da das ganze Haus für die
Starparty reserviert war, bestand also kein Platzmangel. Im Erdgeschoß befinden sich
Waschräume und Toiletten, die große Gaststube und eine gut ausgerüstete
Küche. Gekocht wird mit Gas oder Holz und der Strom für das Licht stammt aus
Solarzellen.
Nach dem kräftigen Nachtessen kleideten wir uns warm ein und stellten
anschließend die Instrumente auf. Über uns zeigte sich dank guter Witterung und
fehlenden Fremdlichtes ein klarer, dunkler Himmel in all seiner Pracht. Dank des gut
gewählten Datums störte auch kein Mondlicht. Wir hatten gerade angefangen zu
beobachten, da trafen zwei weitere Sternfreunde mit einem 15cm Refraktor ein. Auch dieses
Gerät war schnell eingerichtet. Nebst diesem eindrucksvollem Teleskop standen nun ein
25cm Schmidt-Cassegrain, ein 102mm Fluorit-Refraktor, ein Eigenbau-Tri-Schiefspiegler und
weitere kleinere Refraktoren und Schiefspiegler im Einsatz. Es war sehr interessant, die
Leistung der verschiedenen Optiken mit Hilfe von Doppelsternen und Planetarischen Nebeln
miteinander zu vergleichen. Natürlich sind die Stärken und Schwächen der
verschiedenen Bauweisen jedem Amateur mindestens aus der Literatur bekannt, dies aber selbst
zu erleben ist eine wertvolle Erfahrung. Ebenfalls «getestet» wurden die Stative,
Montierungen und Okulare. Am meisten Eindruck machten an diesem Abend auf alle Fälle der
große Refraktor, vor dem man ehrfurchtvoll auf die Knie sinken mußte, speziell
wenn man Objekte in Zenitnähe sehen wollte.
Ein weiterer Schwerpunkt in dieser Nacht war das Aufsuchen weniger bekannter NGC-Objekte
und der Austausch von Tips zum aufspüren derselben. Mit diesen Tätigkeiten verging
die Zeit leider nur allzu schnell.
Als das Sternbild Orion schon voll über dem Horizont stand, entschlossen sich die
meisten von uns, der aufkommenden Müdigkeit nachzugeben und sich ins Bett
zurückzuziehen. Nur zwei «angefressene» betrieben noch bis sechs Uhr morgens
einen NGC-Marathon, bis auch sie schließlich die Müdigkeit übermannte.
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Gemütliche Plauderstunden im Chalet
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Ein leckeres Abendessen mit feinen Spaghettis à la Ruth Gartmann
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Zirkumpolare Sterne mit Regenbogen über dem Chalet
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Samstag |

Das gemütliche «Chalet du Hohberg» aus der Perspektive
der Einfahrt (JPEG, 11kB)
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Am Samstagmorgen hatten die Frühaufsteher nach dem Frühstück
noch Gelegenheit, mit einem 9cm Schiefspiegler und H-Alpha-Filter einige schöne
Protuberanzen zu beobachten. Wer später aufstand, mußte zwar nicht auf das
Frühstück, wohl aber auf die Sonneneruptionen verzichten, weil der Besitzer des
H-Alpha-Filters leider schon abgereist war.
Den Samstag verbrachten die Dagebliebenen mit Fachsimpeln, Lesen, Spazieren, etc.
Interessant waren die Schilderungen des ältesten Starparty-Teilnehmers, der mit
rüstigen 83 Jahren noch selbst Fernrohre und Sternzeituhren konstruiert! Nach dem
Mittagessen zogen zunehmend Wolken auf und wir befürchteten schon, die Nacht nicht
für Beobachtungen nutzen zu können. Am späten Nachmittag stießen zwei
weitere Sternfreunde zu uns, bewaffnet mit einem Order voll Astrofotos, die reges Interesse
aller fanden.
Darüber wurde es bald wieder Zeit, etwas gegen den Hunger zu unternehmen. Gegen die
gewaltigen Portionen Spaghetti Bolognese, die aufgetischt wurden, hatte er aber keine Chance.
Ein Blick nach draußen zeigte, daß sich die Wolken verzogen hatten. Diese Nacht
war aber deutlich kühler und etwas feuchter als die vorhergegangene und wir waren froh,
genug Kohlenhydrate als «Brennstoff» im Bauch zu haben. Mittlerweile hatten
nochmals vier Amateurastronomen den Weg zum Chalet du Hohberg gefunden. An Instrumenten kamen
nun in dieser Nacht ein 20cm Maksutov und eine CCD-Kamera mit Laptop dazu. Die CCD-Kamera
brachte bereits mit einem 135mm-Objektiv und einer selbstgebauten Nachführung innert
Sekunden tolle Ergebnisse auf den LCD-Bildschirm des Laptops. Zum Einsatz der CCD-Kamera am
25cm Schmidt-Cassegrain kam es aber leider nicht mehr, da zu der Zeit wegen fehlender
Taukappe die Schmidtplatte bereits beschlagen war. Wir entschloßen uns daher, bei
heißem Kaffee im Chalet einige CCD-Aufnahmen ab der Festplatte anzuschauen und
fachzusimpeln. Danach begaben sich alle zur wohlverdienten Ruhe, zumal das Schlafmanko der
ersten Nacht auch noch zu spüren war.
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Strichspuren nächtlicher Tätigkeiten
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Sonntag |

Das Gästebuch der Starparty '91
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Am späteren Sonntagmorgen ging die Starparty offiziell zu Ende und
alle Teilnehmer machten sich wieder auf den Heimweg.
Insgesamt haben an der 3. Starparty 17 Personen mit acht Instrumenten teilgenommen. Dies
ist, verglichen mit der Anzahl Astroamateure in der Schweiz, leider nicht sehr viel, aber
doch ein Fortschritt gegenüber den letzten zwei Anläßen dieser Art. Die
Organisatoren der Starparty hegen aber die Hoffnung, daß die Anzahl der Teilnehmer
jährlich zunimmt. Hoffentlich behalten sie recht! Die Zukunft wird es zeigen.
Zum Schluß möchte ich erwähnen, daß die Starparty nicht nur
astronomisch, sondern, dank den Kochkünsten von Els Zuber und Ruth Gartmann, auch
kulinarisch ein besonderes Erlebnis für alle Beteiligten war. Nun, wer es jetzt bereut,
nicht dabeigewesen zu sein, kann es ja an der nächsten Starparty 1992 nachholen.
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(aus astro*sapiens 4/91, von Marcus Lurati)
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