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Freitag
Ein mit dichten Wolken verhangener Himmel verheisst für
die Nacht von Freitag auf Samstag wenig Gutes. Die am Freitag Nachmittag
anreisenden Starpartygäste lassen sich zum Glück wenig anmerken. Entweder
gönnt man sich ein Mittagsschläfchen oder arbeitet bereits eifrig an seinem
Teleskop. Beim Nachtessen im Berghaus sind bereits ca. 20 Personen zugegen,
welche es sich bei ersten astronomischen Fachsimpeleien kulinarisch gut
ergehen lassen. Bei dieser Gelegenheit sei ein grosser Dank an Ueli und
Anita Thierstein und ihr Gastroteam ausgesprochen, welche die Starparty in
dieser Form überhaupt erst möglich machen. Gegen Mitternacht äussert ein
erfahrener Himmels- und Wetterbeobachter erstmals die Vermutung, dass der
Wolkenvorhang eventuell doch noch aufgehen könnte und möglicherweise in
Richtung Feiburg bereits offen sei. Ein paar unentwegte Beobachter zögern
nicht lange und machen sich unverzüglich daran, die kleine Chance zu packen.
Nach kurzer Zeit überqueren drei teleskopbeladene Autos den Gurnigel-Pass
Richtung Schwarzenburg. Und tatsächlich: Nach ca. 10 Minuten Fahrt zeigen
sich erste Wolkenlücken. Rasch bereichern zwei 25- und ein 32 cm
Dobson-Teleskop eine Ausweichstelle der Passstrasse und geben den Blick auf
die ersten Deep Sky Objekte der Starparty frei. Nach ca. einer halben Stunde
erreicht uns das Gerücht, dass mittlerweile auch der Himmel über dem
Gurnigel-Pass offen sei, was die anwesenden Beobachter unverzüglich ihre
Teleskope wieder zusammenpacken lässt. 20 Minuten später kann die
Beobachtungsnacht auf dem Gurnigelpass weitergehen. Der Himmel ist
tatsächlich aufgegangen und gehört jetzt ganz den anwesenden
Photonen-Kollektoren. Der Vorteil gehört dabei einem 15" Dobson-Teleskop
von Obsession, welches mit einem Binoviewer bestückt sehr ansprechende
Bilder liefert, sowie einem extra aus Tokio eingeflogenen Ninja 40 cm
Leichtgewichtsdobson. Mr. Kasai schraubt die Vergrösserungen rasch auf 450
mal hoch, was nicht nur sehr schwache Galaxien deutlich hervortreten lässt,
sondern auch zeigt, dass die Montierung ihrer Aufgabe gewachsen ist. Golf
von Mexiko mit O3-Filter, Stephans Quintett, NGC 253 sowie M13 und M15 sind
einige der beobachteten Objekte, an welchen sich wiederum klar zeigt, dass
an einer grossen Öffnung für die visuelle Deep Sky Beobachtung so rasch
nichts vorbeiführt. Gegen drei Uhr morgens ist zudem Saturn in respektable
Höhen geklettert, womit auch die Planetenfreaks noch auf ihre Rechnung
kommen. Bis zur Dämmerung wird eifrig durchbeobachtet, womit wir wider
erwarten bereits zu einer Beobachtungsnacht gekommen sind.
Samstag
Bei strahlender Sonne geniessen die meisten so ab zehn
Uhr das Morgenessen auf der Terrasse des Berghauses. Die Erlebnisse der
letzten Nacht werden nochmals in Erinnerung gerufen. Da der Himmel zudem für
die kommende Nacht viel Gutes verspricht, sind alle in bester Laune. Später
entwickeln sich auf dem Beobachtungsplatz interessante Gespräche um
Teleskope und Himmelsbeobachtung. Zahlreiche deutsche Sternfreunde sind
bereits oben, da sie mit ihren Wohnmobilen gekommen waren. Ronald Stoyan vom
'interstellarum' hat sogar einen kleinen Stand aufgebaut und lässt alle
Interessenten in den sehr schönen ersten Ausgaben des auferstandenen Heftes
für aktive Deep Sky Beobachter rumblättern. Rasch verstreichen die Stunden
des klaren Samstagnachmittags und schon ist es Zeit, sich den Vortrag von
Kosmologe Prof. Burghard Lindemann anzuhören. Sein Thema ist die
Entfernungsbestimmung zu M 51 und seinem Begleiter, wobei der klare Nachweis
erbracht wird, dass die zwei Galaxien nicht zusammengehören, da sie aufgrund
von Messungen der Rotverschiebung 2.3 Mio Lichtjahre voneinander entfernt
sind. Auch Lindemanns weitere Ausführungen zur Bestimmung des maximalen
Weltalters angesichts der sogenannten Verrotung des Lichts stossen auf reges
Interesse und führen im Anschluss an das Referat zu zahlreichen Gesprächen
unter den kosmologisch Interessierten. Viele Beobachter haben jedoch vor
allem den schönen Himmel im Kopf und stellen bereits wieder ihre Teleskope
auf. Zudem reisst der Strom der ankommenden Wagen kaum mehr ab. Gegen neun
Uhr abends zählen wir 43 Fahrzeuge und fast ebenso viele Teleskope: sicher
ein neuer Teilnehmerrekord. Zu den grossen Dobson der letzten Nacht sind
u.a. zwei 15 cm Apo-Refraktoren, ein ultrascharfer selbstgeschliffener 15 cm
Newton von Markus Hägi sowie eine sehr interessante All Sky Kamera von Res
Krähenbühl dazugestossen. Mit Ungeduld wird auf das Ende der Dämmerung
gewartet. Doch plötzlich tauchen von Westen kommend erste Wolken auf, welche
bald den ganzen Himmels überzogen haben. Gegen Mitternacht regnet es in
Strömen. Wirklich Pech für all diejenigen, welche erst für die Nacht von
Samstag auf Sonntag den Weg auf den Gurnigel-Pass gefunden haben. Da in den
meisten Fällen eine der beiden Nächte klar ist, möchte ich deshalb
empfehlen, an der nächsten Starparty (9. bis 11. August 2002) bereits am
Freitag Abend auf dem Gurnigel-Pass aufzukreuzen!
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